Sonntag, 01. Oktober 2017

MOSELTOUR 30.09. - 03.10.2017

 

Die Wallfahrt nach Minheim

 

Prolog:

 

Nachdem im Frühjahr später Frost die Obsternte vernichtet hatte, das trockene Frühjahr den Weizen auf den Feldern nicht wachsen ließ und nun in den letzten Wochen Dauerregen die Ernte erschwerte, beschloss die Gilde der Biker, eine Gruppe von Auserwählten, nämlich die Motorradfreunde-Westfalen, zur Pestkapelle nach Minheim zu entsenden, um den Wettergott durch diese Wallfahrt gnädig zu stimmen. Gelingen sollte dies dadurch, dass der Geburtstag der Edelfrau Martraud am Tage der Wallfahrt dort gefeiert wird.

 

  • 1. Episode: Die Hinfahrt

 

Die tapferen Bikersleute trafen sich mit ihren Feuerstühlen an der großen Heeresstraße, die mitten durchs Land der tausend Berge führt. Die Exkursion startete etwas verspätet, da Ritter Joachim bei seinem Zuvielzylinder etwas Druck in den Rädern fehlte. Kaum hatte sich der Tross mit 6 Feuerstühlen in Bewegung gesetzt, öffneten sich die Schleusen des Himmels und verwandelten die schmierigen Strecken im Unterholz der Wälder zu einer Aneinanderreihung von Wasserlachen. Die Helme gestatteten kaum mehr Sicht und die Gummirüstungen offenbarten die ein oder andere Schwäche. Erst als das Herzogtum Westfalen durchquert und die Grenze zum benachbarten Rheinland-Pfalz überquert war, zeigte der Wettergott etwas Milde. Im Schutze einer bescheidenen Holzhütte nahe der Bauernschaft Wissen labten sich die Tapferen an der mitgeführten Wegzehrung; etwas Zuversicht kehrte zurück.

 

Aber kaum waren die Höhen und Tiefen des wilden Westerwaldes erreicht, ließen Thor und Odin wieder ihre schlechte Laune an der kleinen Truppe auf ihren Feuerstühlen aus. Das Laub aus den Bäumen peitschte auf die Wege, die Tapferen wurden mit Ästen und Baumfrüchten beworfen. Aber auch dies standen sie durch. Bald war der große Fluss an der Stelle erreicht, wo die blonde Sirene Loreley ihr Unwesen treibt. Der Wegezoll wurde an die Fährleute entrichtet und bald darauf das andere Ufer erreicht.

 

Auch der Gebirgszug jenseits des großen Flusses, genannt Hunsrück, zeigte seine eisige Schulter. Die Kräfte schwanden und der kleine Trupp entschloss sich, das Unterholz zu verlassen und sich den Gefahren der großen Handelsroute entlang der Mosel auszusetzen. Mit den letzten Kräften wurde die Burg, eine holländische Enklave, erreicht. Dort traf man den Ritter Ludger mit Weib, angereist aus der Ferne mit einem schaurigen Mehrspurgerät. Auch zugegen war Bernhard der Weise, der sich schon zeitig zur Moselprovinz durchgeschlagen hatte. Und dann stießen noch die Wandersleut Udo und Bärbel, die hierfür ihre Pilgerreise unterbrachen, hinzu.

 

Noch am gleichen Abend wurde die Kelterung der edlen Säfte in Augenschein genommen und die Ritter und Edelfrauen im Umgang mit den Rebsäften eingehend geschult; der Mundschenk ermöglichte, das gerade Erlernte zu kosten.

 

Erschöpft aber glücklich, entschwanden die Weitgereisten zu später Stunde in die Kemenaten.

 

 

  • 2. Episode: Die Wallfahrt

 

Am folgenden Morgen machte sich die Truppe mit ihren Feuerstühlen auf verschlungenen Wegen zur Feste Idar Oberstein auf. Aus den feuchten Nebeln des Moseltals gelang der Aufstieg in die sonnigen Höhen. Vor Ort wurde die dortige Edelsteinsammlung bewundert. Edelfrau Anke tauschte einen Teil ihrer Goldtaler gegen neues Geschmeide.

 

Aber die Zeit drängte; die Wallfahrt stand bevor. So kehrte der Trupp mit zügigem Tempo bald ins Lager Minheim zurück. Die schweren Rüstungen wurden gegen leichte Wandertücher getauscht und der beschwerliche Aufstieg zur Pestkapelle in Angriff genommen. An jeder Weggabelung stimmte der stimmgewaltige Ludger Huldgesänge auf die Edelfrau Martaud zu ihrem Wiegenfest an. Martraud bedankte sich stets mit einem hochprozentigen Göttertröpfchen, um die Stimmen geschmeidig zu halten. Dies gelang zunehmend, Hemmungen bezüglich unzureichender Musikalität fielen bald. Entlang des Weges erläuterte der Winzer die Pflege und Ernte der Reben. Nach beschwerlichem Wege war endlich die Pestkapelle von Minheim als Stelle der stillen Danksagung der Wallfahrenden erreicht. Gute Geister hatten vor Ort ein zünftiges Gelage vorbereitet. Die Gaumen erfreuten sich an den herzhaften Speisen und den Rebsäften verschiedenster Farbtöne, der Blick schweifte dabei über die besonnten Weinberge und die Schleife der Mosel.

 

Die große Erleichterung über die gelungene Wallfahrt und das Wiegenfest der Edelfrau Martraud wollten hinreichend gefeiert werden, so zog der Tross der Tapferen in eine überaus gepflegte Straußenwirtschaft, wo der ein oder andere Humpen Wein verköstigt wurde. Da die Wirtsfrau recht fade war und wohl auch die Wallfahrer als zu laut empfand, ersannen einige Edelfrauen eine besondere List um die Verweildauer zu kürzen. Die Ritter Richard und Volker plauderten intensiv über die Handhabung der Streitrösser in Kehren; dies nutzten die Edelfrauen, den edlen Tropfen der Vorgenannten zu rauben und die Beute zu teilen. So kam es zum Weinraub von Minheim, aber dies ist eine andere Geschichte.

 

Dann zog der Trupp ins angestammte Lager, um feucht fröhlich den Abend ausklingen zu lassen. Der Gesang und das Gelächter sollen, so berichten die Schreiber, weit über Minheim hinaus zu hören gewesen sein.

 

 

  • 3. Episode: Die Bootfahrt

 

Die Füße vom Vortag vertreten, die Feuerstühle schon hinreichend genutzt, beschlossen die Rittersleut, ihre Wallfahrt mit einer ausgiebigen Schifffahrt nach Bernkastel-Kues zu beschließen. Nachdem der Obolus an die Schiffsleute entrichtet war, nahm das Schiff seine Fahrt moselabwärts auf. An Bord wurden Weisen aufgespielt, die aus einer grauen Vorzeit stammten und den Ohren selten Gutes taten. Das reiche Bernkastel war gegen Mittag erreicht; ein Teil der Truppe stattete der dortigen Burg ihre Aufwartung ab. Der Ritter Volker ging im Trubel des Aufbruchs zum Hafen verloren und schlug sich zum Schiff für die Rückfahrt nur noch mit Mühe durch.

 

Bald war es Zeit für den Abschiedsschmaus. Die Holländer tafelten Schnitzel mit verschiedenen Zutaten und Beilagen auf. Neben Reben- floss auch Gerstensaft; erschöpft sanken die Weitgereisten auf die Lager.

 

 

  • 4. und letzte Episode: Die Rückfahrt

 

Zunächst war die raue Eifel zu bezwingen. Odin und Thor waren besänftigt und ließen die Gefährten in Frieden reisen. Am frühen Mittag war der große Fluss, der den Trupp noch von der Heimat trennte, erreicht. Blitzschnell wurde die ankernde Fähre gekapert und die Fahrt zum anderen Ufer bestritten. Im tiefsten Westerwald bot bald ein Treffpunkt der Rittersleut, genannt Bikers Canyon, Speis und Trank. Das tapfere Trüppchen schlug sich wieder ins Unterholz der dunkeln Wälder zwischen den Grafschaften Pfalz und Westfalen, um unbehelligt gen Heimat zu ziehen.

 

Bald trennten sich die Wege der Reisenden für die letzte Etappe in den heimischen Hof.

 

Schnell verbreitete sich die Kunde der erfolgreichen Wallfahrt und der gesunden Heimkehr im ganzen Land!

 

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